Gut zu wissen!

Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können, tauchen in der öffentlichen Wahrnehmung selten auf. Dabei betrifft es Millionen Menschen in Deutschland. Wir haben zehn informative Zahlen und Fakten rund um das Thema Analphabetismus zusammengestellt.

01 - Es gibt vier Arten von Analphabetismus: Primäre Analphabeten haben nie lesen und schreiben gelernt. Sekundäre Analphabeten haben das Schreiben wieder verlernt. Semi-Analphabeten können lesen, aber nicht schreiben. Und funktionale Analphabeten können Buchstaben, einzelne Wörter oder auch Sätze erkennen. Sie verstehen aber den Sinnzusammenhang nicht.

02 - In Deutschland leben 7,5 Millionen funktionale Analphabeten zwischen 18 und 64 Jahren. 300.000 von ihnen befinden sich auf der sogenannten Buchstabenebene. Das heißt, sie erkennen einzelne Buchstaben, aber keine Wörter. Zwei Millionen erreichen die Wortebene und 5,2 Millionen die Satzebene.

03 - Weitere 13,3 Millionen Menschen, also 25,9 Prozent, haben beim Lesen und Schreiben größere Schwierigkeiten. Sie befinden sich zwar auf der Textebene und sind demzufolge keine funktionalen Analphabeten. Sie lesen aber langsam und schreiben auch gebräuchliche Wörter fehlerhaft.

04 - Mehr als jeder zweite funktionale Analphabet – insgesamt 4,4 Millionen – ist deutscher Muttersprachler. Die restlichen 3,1 Millionen haben zuerst eine andere Sprache erlernt.

05 - 60 Prozent aller funktionalen Analphabeten in Deutschland sind Männer, 40 Prozent sind Frauen. Im globalen Durchschnitt ist das Geschlechterverhältnis genau andersherum.

06 - Die meisten funktionalen Analphabeten haben einen Schulabschluss – ein knappes Drittel schafft es sogar auf ein mittleres oder höheres Bildungsniveau. Aber: Knapp die Hälfte erreicht nur das untere Level. Und von den rund 20 Prozent ohne Abschluss können 59 Prozent nicht richtig lesen und schreiben.

07 - Die Lesekompetenz hängt in Deutschland sehr viel stärker von der sozialen Herkunft ab als in vielen anderen EU-Ländern. Kinder aus Familien, in denen es viele Bücher gibt oder in denen die Eltern höher qualifiziert sind, können nach der Grundschule deutlich besser lesen als solche aus ärmeren oder bildungsferneren Verhältnissen.

08 - Knapp 57 Prozent aller Analphabeten gehen einer beruflichen Tätigkeit nach. Nur 17 Prozent sind ohne Arbeit. Der Rest befindet sich Ausbildung, Elternzeit oder Rente oder ist als Hausfrau beziehungsweise Hausmann tätig.

09 - Mehr als jeder zehnte Arbeitnehmer in Deutschland kann nicht richtig lesen und schreiben. Besonders bei Hilfstätigkeiten und Berufen mit überwiegend körperlicher Tätigkeit ist der Anteil überdurchschnittlich hoch. So zählen ein Viertel der Gärtner, Maler, Köche, Lkw-Fahrer und Klempner zu den funktionalen Analphabeten. Am höchsten ist der Anteil auf dem Bau: Hier kann mehr als jeder zweite Hilfsarbeiter nicht richtig lesen und schreiben.

10 - Jeder Dritte kennt im eigenen Betrieb einen oder mehrere Kollegen, die Probleme beim Lesen oder Schreiben haben.